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Gelegentlich hört man sie noch – leider oft an Hochschulen – die alte Auseinandersetzung zwischen den “reinen” Gestaltern und den so genannten “Bindestrich-Gestaltern”. Gestalter, so hört man dann, können per se eigentlich alles gestalten, denn schließlich komme es beim Design in erster Linie auf das kreative Konzept an, nicht auf das Medium, für das gestaltet wird. Hmm, Konzept ist gut, aber wenn ich so gar keinen Plan habe, von den (auch technischen) Charakteristika des Mediums, dem ich Gestalt geben möchte? Die “Bindestriche”, so die “reinen” weiter, können vom Ansatz her schon keine guten Gestalter werden, denn sie vergeuden ja einen (Groß)teil ihrer Ausbildung mit Nicht-Gestaltungs-Themen wie etwa Medieninformatik, Medientechnik oder gar Medienmanagement (das killt doch jede Kreativität schon von vorneherein).

Eigentlich müsste ich als Designerin mit klassischer Ausbildung an einer Hochschule für Gestaltung schon aus Nestschutzgründen komplett zustimmen. Natürlich kann man sich fragen, ob es denn notwendig ist, diese ganzen Disziplinen zu lernen, wenn man doch einfach “nur” Interfaces gestalten will. Aber auch ein Grafiker musste sich ja früher schon mit den gängigen Produktionsverfahren im Bereich Bildbearbeitung, Fotografie, Reproduktion, Druck auskennen. Wer heutzutage Medien gestalten will, muss sich zwingend mit den digitalen Technologien auseinandersetzen. Im Bereich der interaktiven Medien ist es genauso – nur läuft die technische Entwicklung heute viel schneller ab und ein Gestalter sollte hier Schritt halten können. Das setzt entsprechende Kenntnisse und Interesse voraus.
Es wird noch schlimmer. Selbst auf das einmal Gelernte kann man sich nicht ewig verlassen. Um das Jahr 2002 habe ich Projekte betreut, die sich mit der Konzeption und Gestaltung von Internet-Angeboten beschäftigten. Heute geht es um transparente Navigationssysteme, clevere Smart-Phone-Anwendungen, intuitiv nutzbare Multi-Touch Anwendungen, spielerische Installationen, spannende Games, erfahrungsintensive immersive Medien, …

Im Bereich der digitalen Medien haben in der Vergangenheit entweder immer Menschen starkem IT-Hintergrund oder Medienkünstler (oftmals mit gehörigem IT-Wissen) für die ersten Schritte in Richtung neuer Anwendungen gesorgt. Beides hat in der Regel nicht zu Interfaces geführt, die Otto Normalverbraucher gerne benutzen wollte. Oft sind danach Generationen von Designern verschlissen worden, welche die innovativen Produkte anschaubar und nutzbar machten mussten. Interaction Design ist allerdings – Eingeweihte wissen das längst – keine Angelegenheit der Oberflächendekoration, auch wenn man gerne von der Software-Oberfläche spricht, oder von Skins. Daher sind solche Designer wünschenswert, die als Gestalter zwischen den Disziplinen wirken können, statt nachher zu reparieren.

Wird das nicht realisiert, werden etwa Designer von Multi-Touch Interfaces zu Usern von Bibliotheken degradiert, die von Informatikern entwickelt wurden. Informatiker als Gestalter von Gesten zur Steuerung von Interfaces? Ist ja lächerlich! Designer sollten sich aus Selbstachtung emanzipieren und den alten Zopf vom sich verweigernden Künstler abschneiden, der ihnen nichts weiter als die Hände bindet. Design ist eine Multi-Disziplin. Weg mit dem alten, her mit dem neuen Design-Snobismus.

Passt in dem Zusammenhang ganz gut – das Credo der Agentur meso.net: http://www.meso.net/

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